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Wort- und Begriffserklärungen
Allmende
(Gemeinheit von All[ge]meinde). Der gemeinsame Teil der »Gemarkung«, welcher von den allmendeberechtigten Hofstellen zu Viehtrieb und Holz- nutzung benutzt werden durfte; nach Sondervereinbarung auch von Nicht-Reiheberechtigten.
Altenteil
Die Altersversorgung des Bauern und seiner Ehefrau nach Hofabgabe an den »Anerben«; geregelt in den »Eheverträgen«.
Beute
Bienenwohnung aus Holz, Stroh, Lehm, Ruten oder Kunststoff
Beweinkaufen
Hofgewinnungsgeld oder -übernahmegebühr. Zu entrichten beim Wechsel (im Todesfall) des Hofbesitzers und auch des Grundherrn.
Brache
(Dreesch, Dreisch, Driesch) Ein in regelmäßigem Wechsel zur Erholung des Bodens stark gedüngtes unbestelltes oder nur mit „Sommer-Roggen“ besam- tes Ackerland.
Falls nicht „besömmert“, konnte die Brache wegen seines Wildwuchses zur »Allmende-Hude« genommen werden.
Buckfast-Biene
Eine Rasse, die von einem Mönch – Bruder Adam – gezüchtet wurde
Eheberedung
(-stiftung)
Ehevertrag, was zur Ehe gestiftet wird. Vertragliche Regelung der bei der Ehe- schließung eingebrachten Güter, Gelder und Naturalien; seit dem Mittelalter schriftlich und zunächst in Städten und beim Adel üblich.
1620 ordnete Herzog Friedrich Ulrich zu Braunschweig und Lüneburg an, daß diese Verträge vor unseren Beamten, also vor Gerichten, erklärt werden müs- sen. In bäuerlichen Kreisen begannen sie um 1660, zunächst selten und wohl zur Vermeidung von Streitigkeiten.
Feldhüter / Pfänder
Ein von der Gemeinde eingesetzter und vom Amt bestätigter Feldpolizist zum Schutze der Feldfrüchte vor Diebstahl.
Flurzwang
Gemeinsames Pflügen, Säen und Ernten. Da die Ackerparzellen bis zur Ver- koppelung im Gemenge lagen und die Drei- bzw. Fünffelderwirtschaft zu einer gewissen Ordnung zwang, bestimmte der Bauermeister die Tage dafür.
Fuß
Längenmaß = 0,291875 m
Gefälle
Natural- und Geldleistungen an den Grundherren für die Nutzung eines Hofes.
Gemenge
Nebeneinander liegende Äcker oder Grundstücke, die verschiedenen Besit- zern gehörten.
Gesinde
Ledige Knechte und Mägde, denen auf dem Hofe – neben ihrem geringen Barlohn – Kost und Logis zustand.
Grapen
[der] ein im Niedersächsischen übliches Wort, einen dreibeinigen gegossenen eisernen oder metallenen (Eisen, Zinn und Kupfer) Topf zu bezeichnen; auch in Keramik bekannt. Der Topf wurde meist direkt in die offene Feuerstelle gestellt.
(aus Oekonomische Enzyklopädie (1773-1858) von J. G. Krünitz)
Himten (Himbten)
Hohlmaß von gut 31 Litern, faßte etwa 20 kg Roggen oder Weizen, 18 kg Gerste oder 12 kg Hafer.
2 Himten = ein Scheffel pro Morgen war in etwa die Richtlinie für den Zins.
Hude / Weide
(Viehtrift)
Recht zum Hüten und Weiden von Vieh. Es betraf mehr die Allmendeweiden, weniger die Forsten. Die Nutzung der Hude war streng geregelt nach Stück- zahl des Viehs für jeden Hof. In den Hudeplan war auch die Brache einbezo- gen, die Ackerflächen waren nach der Ernte als Stoppelweide geschätzt.
Die Hudebereiche der Nachbardörfer konnten sich überlagern ( sog. Samt- hude ), was Anlaß zu Prozessen wegen angeblicher Nutzungseinschränkungen, etwa durch Anpflanzen von Weidenbäumen oder Erweiterung eines Gartens gab.
Huldigungseid
Dieser war von allen männlichen Untertanen beim Regierungsantritt eines neuen Herrschers als Treuegelöbnis zu leisten.
Immen
Bienen (eine Lacht Bienen = Immenzaun)
Interimswirt
Zwischenzeitlicher Hofwirt bei Heirat einer Witwe. Der Zeitpunkt der Hofüber- nahme durch den Anerben wurde bereits im Ehevertrag festgelegt.
Er war häufig jünger als die Witwe; mit Einschränkungen leibzuchtberechtigt.
Kamp
1. größeres Feld;
2. kleines, meist eingehegtes Landstück außerhalb der Gemengelage zu     unterschiedlicher Nutzung: als Ackerland, Obstgarten oder Koppel zur     Schafweide ohne Hirten (Eichelkamp).
Kötner
Besitzer einer Kote oder Kate, die im Regelfall lediglich mit einem kleinen Stück Land zur Selbstversorgung und Nebenerwerbslandwirtschaft ausge- stattet war.
Kontribution
Gemeinschaftlicher Beitrag bzw. Steuerumlage zunächst zur Befriedung und Versorgung fremder, eingedrungener Truppen (Kriegssteuer). Später wurde daraus die eigene Kriegskasse aufgefüllt, um selbst ein Heer zum Schutze zu unterhalten.
Kros (Krug)
1,33 Liter (Hannoversches Maß)
Kübbe, Kübeln
Brot, Deputatverpflegung an den dienstpflichtigen Tagen auf den Höfen der Grundherren bzw. des Amtes.
Lachter
1 hannoverscher Lachter = 1,95 Meter
Landschatz
Landessteuer, z. B. Viehschatz
Leibzuchthaus
Altenteilerhaus
Loh
Lichter Wald (s. bei Stüde den Malloh)
Melioration
Bodenverbesserung
Morgen Acker
120 Quadratruthen = 2.608 m² (nach 1836 = 2.631 m²)
Münzgeld
1 Thaler = 24 Gutegroschen (à 12 Pfennig) bzw. 36 Mariengroschen (á 8 Pfennig) = 288 Pfennige
Pölk
Kastrierte männliche Schweine (auch Bork, Barg, Bark, Barch, Borsch genannt).
Quartier
Hohlmaß: 0,95 Liter (Hannover), 1,145 Liter (Preußen = 1 Quart).
Rauchhuhn
Pflichtabgabe eines geräucherten Huhnes. Neben seinem realen Wert symbolisierte es die Untertänigkeit bzw. Abhängigkeit zum Empfänger.
Reihe
Überkommene soziale Rangfolge der Höfe eines Dorfes. Sie reichte von den Meiern zu den Brinksitzern. Die Zugehörigkeit zu den Reiheleuten bedeutete auch eine abgestufte Allmendeberechtigung.
Reuter
Reitersoldat
Ruthe
Längenmaß von 16 Fuß = 4,67 m (1 Fuß = 0,291875 m)
Schaffe / Schaffer
Schafe / Schäfer
Scheffel
Gifhorner Scheffel = 2 Himbten = 80 Pfund
Schulze
(Dorf- oder Ortsschulze, auch Bauermeister) Gemeindevorsteher
Sothsäule
Stammbalken eines Ziehbrunnens
Stiege
1.) 20 Stück, häufig bei Eiern genannt.
2.) zweizeiliger dachförmiger Garbenstapel; bei der Ernte wurden die      gebundenen Garben in dieser Form zum Trocknen zusammengestellt.
Trift
Weidewiese, Weiderecht, auch Weg zum Viehtreiben auf die Weide.
Triplum - Triplo
dreifach – dreifacher Berechnungssatz
Witte
(sprachlich von weiß), silbrig helle Münze
wüst
Unbewirtschaftet, daher frei von Abgaben und Diensten. Eine wüste Hofstelle war z. Zt. ohne Stellenwirt; das Wohnhaus konnte aber dennoch von Häus- lingen bewohnt sein.
Wüstung
Mittelalterliches Dorf, dessen Bewohner abgewandert waren.
Zehnt, Zehnter
Abgabe zugunsten der Kirche, von Karl dem Großen fortentwickelt und allge- mein eingeführt.
Als Fruchtzehnt (großer Zehnt, Feld-Zehnt, Korn-Zehnt) wurde von der Getrei- deernte (außer Hafer) jede zehnte Garbe gezogen.
Als Fleischzehnt (kleiner Zehnt) jedes 10. Jungtier (Fohlen, Kälber, Ferkel und Lämmer, auch Gänse, Hühner und Bienenstöcke).
Die Zehntpflicht lag in der Regel auf dem ganzen Dorfe, unbeschadet unter- schiedlicher Grundherrschaften, die mit dem Zehnten rechtlich nichts zu tun hatten.
Die Berechtigung auf den Zehnten ging schon frühzeitig von der Kirche durch Verkauf oder Verpfändung in weltliche Hände über und konnte den Besitzer beliebig wechseln wie ein börsengängiges Wertpapier, dessen Zinsertrag lediglich von den jährlich schwankenden Ernteerträgen abhing.
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